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Die
Stadtgründung
1715:
Um das wirtschaftliche Leben in Karlsruhe zu fördern und generell die
Ansiedlung schmackhaft zu machen, kamen die ersten Ansiedler in den Genuss
weitreichender Vergünstigungen. Bauholz wurde gratis geliefert, auch Mauersteine
und Mörtel wurden teilweise gestellt. Der Zustrom von Interessierten war
dementsprechend groß, der Baubedarf immens. Kein Wunder, das Karlsruhe
auch für die verschiedenen Baugewerke ein Magnet war. Schon kurze Zeit
nach der Gründung der badischen Residenzstadt wurde hier eine Bauzunft
ins Leben gerufen. Die Mitglieder stammten dabei aus den verschiedenen
Baugewerben, wobei die Zimmerleute die stärkste Gruppe bildeten.
Aus dieser Zeit zog es den Zimmermann Johann Ludwig Weinbrenner aus der
Gegend von Schwäbisch Hall nach Karlsruhe. Er heiratete die Tochter des
Karlsruher Hofzimmermeisters Arnold, brachte es selbst zum Hofzimmermeister
und einigen Wohlstand. Sein zweiter Sohn, Friedrich, sollte zum bedeutendsten
Baumeister Karlsruhes werden.
Das
Zunftordnung
Die
Zunftordnung wurde sehr streng gehandhabt, da der Markgraf sehr großen
Einfluss auf das Handwerk ausüben wollte. Die verschiedensten Anforderungen
in Gesellen- und Meisterprüfungen machten es in der Zeit notwendig, die
gemeinsame Bauzunft aufzulösen und eine eigene Berufsorganisation zu gründen.
So wurde im Jahre 1764 in der ältesten uns bekannten Urkunde unserer Bundeslade
die Zimmerer-Innung Karlsruhe zum ersten Mal erwähnt.
Im Jahre 1770 wurde in Karlsruhe die Handwerkerschule des Kunstmeisters
Fahsolt gegründet, in der die angehenden Handwerker die Zimmererkunst
erlernten. Zehn Jahre später besuchte der Gymnasiast Friedrich Weinbrenner
diese Schule (Bekanntester Baumeister der Stadt Karlsruhe).
An der Spitze der öffentlichen Bauangelegenheiten stand Hofbaumeister
Müller, dessen Hauptanliegen Dauerhaftigkeit, äußerer Zustand der Gebäude
und vor allem Sparsamkeit waren. Im Jahre 1820 wurde die Bauzunft auch
mit obrigkeitlicher Genehmigung getrennt. Zimmerer und Maurer hatten nun
jeweils eine Zunft für sich.
Das
19. Jahrhundert
Die napoleonische Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte für das
Handwerk weitreichende Veränderungen. Die alte Zunftordnung blieb zwar
im Grunde noch bestehen, die Bestimmung allerdings wesentlich erleichtert.
Die allgemeine Arbeitslosigkeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts führte
zu Massenauswanderungen, vor allem nach Amerika. Das war mit ein Grund
für die Regierungen der deutschen Länder, nach und nach die alten Zünfte
mit ihren hemmenden Schranken aufzuheben - in Baden wurde die "Gewerbefreiheit"
ab 1862 eingeführt.
Nach Aufhebung der Zünfte machten allerdings nur wenige Berufs- und Handwerkszweige
von ihrem Recht Gebrauch, freie Genossenschaften zu bilden. Erst nachdem
1897 das neue Handwerkergesetz in Kraft getreten und 1900 Handwerkskammern
gebildet worden waren, lebten auch Innungen und freie Handwerkervereinigungen
wieder auf.
Die Karlsruher Zimmerer-Zunft ist eine der wenigen, die in dieser Zeit
naht- und bruchlos zunächst in eine Zimmermeister-Vereinigung und schließlich
in eine Zimmerer-Innung übergegangen ist
.
Das 20. Jahrhundert
Anfang des 20. Jahrhunderts war die Vereinigung Karlsruher Zimmermeister
an der Bildung badisch-pfälzischen Zimmermeisterverbandes und später an
der Gründung des Bundes deutscher Zimmermeister mitbeteiligt.
Vor dem ersten Weltkrieg war die Geschäftslage in Karlsruhe im großen
und ganzen gut. Die Zimmermeister-Vereinigung übernahm gemeinschaftlich
Zimmerarbeiten für eine Reihe von Neubauten, z.B. Bahnhofsneubau, Gewerbeschule,
Postscheckamt, usw.
Zwei Weltkriege brachten die Tätigkeit der Zimmer-Innung zum Erliegen.
Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen großen Zerstörungen in
Karlsruhe und Umgebung herrschte zwar enormer Baubedarf, doch Baumaterial
und Rohstoffe waren knapp. Eine der wichtigsten Aufgaben der Innung direkt
nach dem Krieg war demzufolge die Verteilung der karg bemessenen Kontingente
sowohl von Bauholz als auch sonstigen Baumaterials auf die einzelnen Mitgliedsbetriebe.
1951
und 1967 war die Zimmerer-Innung Karlsruhe gemeinsam mit dem Landesverband
an der Organisation der Bundestagungen des Bundes deutscher Zimmermeister
in Karlsruhe beteiligt. Von 1967 bis Mitte der 80 Jahre richtete die Innung
jährlich eine überbetriebliche Lehrlingsunterweisung aus.
Von 1975 bis zum Jahr 1994 führte die Zimmerer-Innung als einzige Innung
jährlich Meisterkurse zur Vorbereitung zur Meisterprüfung durch. Diese
Kurse hat nun die Heinrich-Hübsch-Berufsfachschule in Karlsruhe übernommen.
Noch heute werden die Praktischen Unterweisungen von Zimmermeister der
Karlsruher-Innung mit großen Erfolg durchgeführt.
Mit
Zimmermeister Manfred Beimel, der der Innung seit 1995 vorsteht, führt
heute der fünfte Obermeister seit Kriegsende, nach Eduard Jüngert (Obermeister
1945-48), Philipp Lehberger (Obermeister von 1948-63), Kurt Walder (Obermeister
von 1963-69) und Ehrenobermeister Hans Fix (Obermeister von 1969-95) die
Geschicke der Innung. Die Zuständigkeit umfasst den gesamten Landkreis
Karlsruhe mit Ausnahme des ehemaligen Landkreises Bruchsal.
Das 21. Jahrhundert
Der Anfang des 21. Jahrhunderts
ist geprägt vom Überlebenskampf der einzelnen Betriebe. Durch Fortbildung
der Mitarbeiter und Unternehmer will man diese Durststrecke hinter sich
bringen.
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